Fachtag „Kirche im Wandel“
Fachtag für Kirchvorsteherinnen und Kirchenvorsteher
am 19. September 2026, 9.30 Uhr – 17.00 Uhr, Petrikirche, Petriplatz 20 in Freiberg
Der Bericht „Kirche im Wandel“ als Eckpunktepapier für die kirchliche Arbeit der kommenden zehn Jahre, wurde der Landessynode im Februar 2026 vorgelegt. Im März hat die Landessynode nach einer ersten Beratung und Beschlussfassung darum gebeten, auf Grundlage der nun vorliegenden Gestaltungsvorschläge, die begonnene Beteiligung weiter fortzuführen und dabei insbesondere die Perspektiven von Ehrenamtlichen einzubeziehen.
Ziel des Tages ist es, den Bericht der Kirchenleitung im gemeinsamen Gespräch zu vertiefen und über mögliche Schritte zur inhaltlichen Konkretisierung und Umsetzung zu sprechen. Die Mitglieder der Kirchenleitung werden an diesem Tag vor allem hörend anwesend
sein. Im Vorfeld bitten wir darum, den Bericht im Kirchenvorstand, im Ortsausschuss oder in der Kirchgemeindevertretung zu lesen und sich dazu auszutauschen. Hilfreich für ein konstruktives Gespräch könnte sein, wenn dabei besonderes Augenmerk auf folgende Themen gelegt wird:
- Entwicklung kirchlichen Lebens – beziehungsstark und vielfältig (S. 24 ff.)
- Zukunft von Beruflichkeit und Ehrenamt (S. 35 ff.)
- Zusammenwirken auf regionaler und lokaler Ebene – konzentriert und einfach (S.16 ff.)
- Gestalt von Bildung und Qualifizierung (S. 38 ff.)
- Diakonische und missionarische Präsenz (S. 42 ff.)
Im Anschluss an die Gespräche in den Gremien bitten wir, aus jeder Struktureinheit ein bis zwei nichtordinierte, ehrenamtliche Kirchenvorsteherinnen oder Kirchenvorsteher zum Fachtag zu entsenden. Die Eindrücke und Erfahrungen können dann auf dem Fachtag im gemeinsamen Gespräch mit allen anderen Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher eingebracht werden.
Bericht des Fachtags
In der Petrikirche in Freiberg kamen am 19. Oktober 2026 ca. 130 ehrenamtliche Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher aus ganz Sachsen zu einem Fachtag zum Prozess „Kirche im Wandel“ zusammen.
„Wir haben Sie heute zu diesem Fachtag eingeladen, weil wir Ihre Perspektive auf den Bericht der Kirchenleitung zum Prozess „Kirche im Wandel“ hören möchten. Sie sind wichtige Entscheidungspersonen und Erfahrungsträgerinnen und -träger in unseren Kirchgemeinden vor Ort“ – so begrüßten Lüder Laskowski und Wolfram Alber, beide Referenten im Landeskirchenamt, die 130 ehrenamtlichen Kirchvorsteherinnen und Kirchvorsteher zu Beginn des Fachtages und machten deutlich, welche Expertise im vollbesetzten Kirchraum versammelt war. „Sie wirken als Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher daran mit, dass Kirche in jedem Ort lebendig ist, dass sie als verlässliche Organisation wahrgenommen wird, dass unser Personal gerne und gut bei uns arbeiten kann und dass ökumenische Zusammenarbeit vor Ort möglich ist. Aber wir alle wissen auch, dass diese Arbeit neben der Freude eben auch mit viel Zeit, Mühe und Arbeit verbunden ist“, führten sie ein. Die Petri-Kirche sei für die Beratungen zu „Kirche im Wandel“ ein interessanter Ort, weil die inzwischen über 800 Jahre alte Kirche in den 70er Jahren umgebaut worden sei und seitdem auch in vielfältiger Weise als Gemeindezentrum genutzt werde.
Andacht Landesbischof
Landesbischof Tobias Bilz sprach in seiner Andacht das Thema der Jahrestagung der Superintendentinnen und Superintendenten an: „Spielräume entdecken“ und zitierte den Wochenpsalm „Er führte mich hinaus ins Weite, er riss mich heraus; denn er hatte Lust zu mir.“ Ein Referent habe zur Frage, wie man die aktuelle Lage bewerten solle, folgendes gesagt: „Es kommt ganz wesentlich darauf an, wie wir die Dinge betrachten – und wie man sie neu betrachten kann.“ Dabei müsse man unterscheiden zwischen Tatsachen, Regeln und Gewohnheiten. Tatsachen könne man oft nicht ändern, man könne sie aber neu sehen. Regeln seien oft nervig, aber man könne die Spielräume dazwischen entdecken.
Und Gewohnheiten ließen sich jederzeit ändern. „Gott reißt uns heraus im Sinne: Nicht die Umstände ändern sich, sondern wir werden frei und atmen frische Luft. Um die Erfrischung unseres Geistes, darum beten wir und haben die Gewissheit: Gott hat Gefallen, Liebe, Wohlwollen an den Menschen: Gott mag uns!“ Zum Abschluss fragt er die Versammelten: „Warum machen wir das alles? Warum sind Sie heute an diesem schönen Samstag hier und nicht woanders?“ und antwortete für sich: „Weil ich an einen Gott glaube, der mit uns ist und uns liebt. Und deshalb bete ich darum, dass dieser Tag ein gesegneter und geisterfüllter Tag werden möge.“
Das bisherige Prozess
Mit Burkart Pilz und Friedhelm Zühlke erläuterten zwei Mitglieder der Arbeitsgruppe „Kirche im Wandel“ noch einmal die wesentlichen Aspekte des Berichtes. Burkart Pilz betonte, dass alle Resonanzen aus dem bisherigen Prozess wichtig gewesen und in den Bericht eingeflossen seien. Das Titelbild für den Prozess habe für ihn eine besondere Bedeutung, weil es davon spreche, dass in der Kirche unterschiedliche Menschen miteinander unterwegs sind. Weil die Kirche schon immer im Wandel gewesen sei, müsse und Wandel nicht ängstigen. In der Haltung des Vertrauens und des Gottvertrauens sehe er eine tiefe geistliche Chance für den Prozess. „So wie Gott das Volk Israel begleitet hat, bleibt er auch an unserer Seite“, so Burkart Pilz. Daher brauche es eine Haltung zwischen Alarmismus und Lethargie, keine Panik oder Hektik, aber auch kein Augenverschließen.
Es gelte die Waage im Blick zu behalten und neben der Frage „Wie gehen wir mit knappen Mitteln um?“ auch die Frage „Welche Vision, welches Bild von Kirche wollen wir entwickeln, das Lust macht daran mitzuarbeiten?“ zu stellen. Dies müsse nüchtern und besonnen angegangen werden. Klar sei: Wir werden kleiner sein und weniger Hauptamtliche haben. Wir brauchen Grundlinien für dieses künftige Kirche-Sein, darüber wurde im Zwischen- und Abschlussbericht geredet und in Resonanzgruppen diskutiert. Folgende kurze Kernbegriffe habe der Abschlussbericht herausgestellt:
- einfach und konzentriert: 40-50 Regionalkirchgemeinden
- beziehungsstark und vielfältig: Kirchorte und Ortskirchgemeinden (parochial und nichtparochial)
- gemeinschaftlich und unterstützend: nicht alle müssen alles können, es braucht ein Gerüst der Verbindung und Unterstützung, zentrale Verwaltungen
- ehrenamtlich, nebenamtlich, hauptamtlich: Wie muss das Verhältnis in einer kleineren Kirche neu austariert werden? Welche Unterstützung ist notwendig, wenn das Ehrenamt mehr Verantwortung bekommt?
- qualifiziert und bildungstark: eigenfinanzierte Aufgaben ermöglichen, Mitarbeitende qualifizieren
- diakonisch und missionarisch: Die Kirche darf nicht nach innen kippen, sondern muss nach außen wirken
Aus der 28. Landessynode
Friedhelm Zühlke stellte als synodales Mitglied der Kirchenleitung die von der 28. Landessynode im März 2026 beschlossene Drucksache 331 vor. Darin habe man noch einmal die Notwendigkeit eines Beteiligungsprozesses betont, damit die Meinungen von der Basis einen echten Wert bekämen. „Deshalb sitzen heute hier Menschen, die alle Ahnung und eine Meinung haben“, sagte er.
Auch habe die Landessynode noch einmal um eine theologische Begleitstruktur für den Prozess gebeten. Die Kirchenleitung wurde von der Synode gebeten, bis Herbst 2026 einen Planungsentwurf zur Zeitstruktur, Prozesssteuerung, Finanz- und Ressourcenrahmen sowie zu zukünftigen Beteiligungs- und Kommunikationsformaten vorzulegen. Weiter wurde die Kirchenleitung gebeten, eine Prüfvorlage zur möglichen Rechtsgestalt der Regionalkirchgemeinden, der Kirchorte, und der Ortskirchgemeinden vorzulegen samt einer Einschätzung zum erwartbaren Einsparpotential und einem Modell, in dem die Kirchgemeinde Körperschaft öffentlichen Rechts bleiben kann.
Zum Abschluss betonte Friedhelm Zühlke, dass er innerhalb der Kirche einen Kulturwandel wahrnehme, indem erst diskutiert und dann entschieden werde. Er dankte allen, die sich an diesen Diskussionen beteiligten.
Erläuterung der Übergangsregelungen
Nachdem Oberlandeskirchenrat Burkart Pilz anhand von Schaubildern die Strukturen und Entscheidungswege in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens erläutert hatte, ging Oberlandeskirchenrätin Dr. Jördis Bürger auf die Übergangsregelungen ein, die seit Mitte 2026 in der Landeskirche gelten. Diese seien vorläufige Maßnahmen, betonte sie. Vorhandene, nicht besetzte Stellen im privatrechtlichen Dienstverhältnis würden vorerst nicht wiederbesetzt, um später eine Neuplanung zu ermöglichen. Vermieden werden solle, dass durch Einstellungen Personalbindung und Personalgewinnung in Spannung geraten. Mitarbeitende sollen geschützt bleiben und gleichzeitig Menschen in Ausbildung oder Studium eine Perspektive gegeben werden. Ausnahmen von den Übergangsregelungen seien nach individueller Prüfung möglich.
Oberlandeskirchenrätin Carmen Kuhn erläuterte das Baumoratorium, welches ab September 2026 gilt. Danach sollen für zwei Jahre keine Baugenehmigungen und Bauzuweisungen erteilt werden, Baumaßnahmen mit gültigen Baugenehmigungen könnten aber weiter gebaut werden. Auch Nachfinanzierung von Bauvorhaben und genehmigungsfreie Maßnahmen seien möglich. Auch vom Baumoratorium würden Ausnahmen in begründeten Fällen entschieden. Ziel des Baumoratoriums sei es, die Weiterentwicklung des Gebäudeleitfadens zu ermöglichen, Fehlinvestitionen zu vermeiden und die Bauzuweisungsmittel anzusparen für zielgerichtete Investitionen.
Arbeitsgruppen zum Bericht
Nach diesen Impulsen ging es in fünf Arbeitsgruppen, in denen einzelne Schwerpunkte des Berichtes „Kirche im Wandel“ im Mittelpunkt standen. Immer wieder gefragt wurde nach den Entscheidungsbefugnissen und Kompetenzen der Ortskirchgemeinden, diese seien im Bericht nicht genau beschrieben und für die Gemeindebasis von großer Bedeutung. Wichtig war vielen auch die Frage, wie Glaube vor Ort konkret verkündigt und Gläubige betreut werden sollen. Auch zu den geplanten 40-50 Regionalkirchgemeinden gab es unterschiedliche Meinungen und rege Diskussionen, die sich u.a. um das Verhältnis zu den Ortskirchgemeinden, die dort angesiedelten Aufgaben, die Herausforderungen der Leitung so großer Strukturen und die Fragen der Begleitung Ehrenamtlicher drehten.
Einhelliger Wunsch war es, dass die Ebenen und deren Aufgaben und Kompetenzen klar definiert werden, ehrenamtliches Engagement auf allen Ebenen ermöglicht wird und mehr Gelegenheiten zum Austausch zwischen Ehrenamtlichen und Kirchenvorständen geschaffen werden. „Die beste Möglichkeit, die Basis zu erhalten, sei die Stärkung ihrer Selbstwirksamkeit“, sagte ein Teilnehmer. Dazu gehöre Vertrauen in die Menschen, die vor Ort Kirche gestalteten. Gleichzeitig wurde aber auch betont, dass die Verwaltung von Grundstücken, Gebäuden, Friedhöfen und Kindertagesstätten für Kirchgemeinden eine immer größere Belastung darstelle und sinnvoller auf einer mittleren Ebene angebunden sein könnte.
Impuls Präsidentin der 29. Landessynode Gunda Röstel
Neben Landesbischof Tobias Bilz war auch die Präsidentin der 29. Landessynode, Gunda Röstel, dabei. Gunda Röstel dankte den Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorstehern für ihre wichtige Arbeit und stellte klar, dass der Bericht „Kirche im Wandel“ Vorschläge und Empfehlungen beinhalte, aber noch nichts beschlossen sei. Dass Veränderungen notwendig seien, darin bestehe kein Zweifel. „Nichts zu tun ist keine Lösung“, stellte sie klar. Entscheidend sei aber, von den Aufgaben her zu denken: „Strukturen folgen den Aufgaben, nicht umgekehrt.“ Der Reformprozess werde ein Schwerpunkt der Synodenlegislatur sein. Dabei dürfe auch gestritten werden, aber das Einteilen in „die da oben“ und „die da unten“ sollte es nicht geben. Es gehe vielmehr um die gemeinsame Frage, wie Kirche dauerhaft für Menschen erreichbar bleibt und wie christlicher Glaube und christliche Angebote auch in der Gesellschaft sichtbar bleiben können.
„Wir müssen mehr denn je Antworten auf die Fragen zu geben, die Menschen bewegen“, ist Gunda Röstel überzeugt. Wenn es darum geht, für Menschenwürde, Frieden, Gerechtigkeit einzutreten, die Schöpfung zu bewahren, fänden sich dazu Anhaltspunkte in der Bibel. Sie traue der Kirche vor allem zu, Menschen wieder Hoffnung zu geben.
Impuls Landesbischof Tobias Bilz
Landesbischof Bilz machte in seinem abschließenden Impuls deutlich, dass sich viele Diskussionen um das Spannungsfeld zwischen dem jeweils das richtige Maß an Herausforderung und Sicherheit, Freiheit und Unterstützung, Professionalität und Kreativität drehten. Kirche sei schon immer im Wandel gewesen, sagt Bilz und benennt das wandernde Gottesvolk. Wenn man Menschen zu einer Wanderung ermutigen wolle, müsse man eine Antwort auf folgende Fragen haben: „Wo geht es hin? Wer geht denn mit? Was werden wir erleben? Werden wir auf dem Weg alles haben, was wir brauchen?“ In einer Wandergruppe brauche es permanente Kommunikation, man müsse in Sichtkontakt sein. Es brauche auch einen Ausgleich zwischen Schnellen und Langsamen – ein Gefühl der Einheit und Verantwortung füreinander. Und es brauche neben Arbeit und Mühe auch das gemeinsame Feiern.
Abschließend sagt Tobias Bilz: „Ich bin ermutigt von diesem Tag und danke allen für die Klarheit dessen, was sie ausgesprochen haben. Ich wünsche mir neben aller Individualität, dass wir uns als eine Dienst- und Weggemeinschaft verstehen, in der wir miteinander im Gespräch sind. Auf diesem Weg sind wir nicht allein, sondern werden geführt und begleitet von Gott.“